Hochschulspezifische Daten zum Studium ohne Abitur
Ohne das Engagement der Hochschulen beim Studieren ohne (Fach-)Abitur können die besten rechtlichen Rahmenbedingungen nichts bewirken, da die Umsetzung vor Ort in den Institutionen erfolgt. Daher fällt die Anzahl der Studienanfänger*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich aus. Dies lässt sich u. a. auf die spezifischen rechtlichen Rahmenbedingungen in den Bundesländern sowie die Attraktivität der einzelnen Hochschulen durch spezielle Studien- und Beratungsangebote, beispielsweise in Form von flexibel gestalteten Studiengängen, Fernstudiengängen sowie Unterstützungsangeboten für Studieneinsteiger*innen wie Vorbereitungs- und Brückenkurse, zurückführen.
Die nachfolgende interaktive Grafik bietet die Möglichkeit, hochschulspezifische Informationen bezogen auf die jüngsten verfügbaren Daten aus dem Jahr 2024 abzufragen. Hier sind nahezu alle Universitäten, Fachhochschulen (FH)/Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) sowie künstlerischen Hochschulen im Bundesgebiet erfasst. Sofern eine Hochschule mehrere Standorte hat, werden die Daten separat ausgewiesen. Auf diese Weise werden in der interaktiven Grafik insgesamt 487 Hochschulen bzw. Standorte berücksichtigt. Eine standortunabhängige Übersicht der zehn nachgefragtesten Hochschulen von Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur gibt es hingegen unter Quantitative Entwicklungen in Deutschland. Mit Hilfe der Auswahlfunktionen in der rechten Spalte können gezielt Daten nach Bundesland, Hochschultyp und Hochschulträgerschaft angezeigt werden. Die bundesweite Platzierung in der interaktiven Grafik hängt davon ab, wie hoch der prozentuale Anteil von Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur der jeweiligen Hochschule gemessen an allen beruflich qualifizierten Studienanfänger*innen in Deutschland im Berichtsjahr 2024 ist. Die bundeslandspezifische Platzierung ergibt sich entsprechend aus dem prozentualen Anteil einer Hochschule an allen Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur im jeweiligen Bundesland.
Die FernUniversität in Hagen ist die am stärksten nachgefragte Hochschule im Bundesgebiet
Die in ganz Deutschland von beruflich Qualifizierten am stärksten nachgefragte Hochschule ist die FernUniversität in Hagen mit einem Anteil von 8,6 Prozent. Im Jahr 2024 haben insgesamt 1.128 Personen ein Studium an der FernUniversität aufgenommen. Dabei machen Studienanfänger*innen ohne schulische HZB 25 Prozent aller Erstsemester an der FernUniversität aus. An zweiter Stelle steht die IU Internationale Hochschule mit dem Standort in Erfurt und einem Anteil von 5,9 Prozent. Dies entspricht 765 Personen. Hier gilt zu beachten, dass die IU Internationale Hochschule ihren Hauptstandort in Erfurt hat und alle eingeschriebenen Fernstudierenden gemäß dem Statistischen Bundesamt diesem Standort zugerechnet werden. An dritter Stelle folgt die FOM Hochschule für Oekonomie und Management mit Standorten in NRW. Sie nimmt 4 Prozent der Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur auf; das sind 525 Personen. Rechnet man alle FOM-Standorte im Bundesgebiet zusammen, beträgt die Anzahl der Studienanfänger*innen ohne allgemeine Hochschul- oder Fachhochschulreife insgesamt 925 Personen. Seit 2017 weist das Statistische Bundesamt die Standorte der FOM Hochschule in Deutschland nicht mehr gebündelt am Hauptstandort in Essen, sondern separat aus. Dieses Vorgehen sorgt für ein differenziertes Bild der Nachfrage in den einzelnen Bundesländern. Allerdings führt es auch zu Verzerrungen, weil die IU Internationale Hochschule alle Studierenden in Fernstudiengängen dem Hauptstandort zuzählt und nur wenige Studienanfänger*innen an den einzelnen Standorten gezählt werden. An vierter Stelle folgt die Europäische Fernhochschule Hamburg mit einem Anteil von 3,9 Prozent, was 504 Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur entspricht. Danach folgt die DIPLOMA Hochschule mit 3,8 Prozent. Rund 35 Prozent der Erstsemester*innen innerhalb der DIPLOMA Hochschule besitzen keine allgemeine Hochschul- oder Fachhochschulreife. Noch höher ist der Anteil der Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur an allen Studienanfänger*innen an der APOLLON Hochschule für Gesundheitswissenschaft. Hier hat rund die Hälfte der Studienanfänger*innen den Hochschulzugang über den beruflichen Weg erlangt. Die Hochschule in Bremen liegt im bundesweiten Vergleich auf dem sechsten Platz.
Distance-Learning nach wie vor hoch im Kurs
Bemerkenswert ist, dass sich vergleichsweise viele Fern-Hochschulen bzw. Hochschulen mit einem ausgeprägten Distance-Learning- bzw. E-Learning-Angebot unter den Hochschulen mit hohen Studienanfänger*innenzahlen befinden. Diese ermöglichen ein Studium ohne Ortswechsel und zu flexiblen Zeiten, was für beruflich Qualifizierte offenbar attraktiv ist. Diese Studienformen bieten gute Voraussetzungen, um beispielsweise neben dem Studium einer Erwerbstätigkeit nachzugehen oder sich um die Familie zu kümmern. Wie die obige interaktive Grafik deutlich macht, studiert der überwiegende Teil der beruflich qualifizierten Studierenden an einer Fachhochschule/Hochschule für angewandte Wissenschaften. Diese sind deutlich praxisnäher als Universitäten. Generell sollten sich Nicht-Abiturient*innen vor der Bewerbung um einen Studienplatz über die zur Verfügung stehenden Unterstützungsangebote in der Hochschule ihrer Wahl informieren. Dazu zählen u. a. die Studienberatung, das Angebot von Vorbereitungs- und Einführungskursen zum Ausgleich bestimmter Wissenslücken oder von Tutorien, in denen ältere Semester den Einsteiger*innen fachlich zur Seite stehen. Im Falle eines Falles ist es gut zu wissen, wohin man sich wenden kann, wenn es mal nicht so rund läuft im Studium.