Zwei Drittel der Studienanfänger*innen an einer anwendungsorientierten Hochschule
Die Entwicklung der Erstsemester ohne (Fach-)Abitur zeigt im Zeitverlauf deutliche Verschiebungen zwischen den Hochschultypen. Während im Jahr 2012 noch fast die Hälfte (46,2 %) der Studienanfänger*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) an Universitäten und gleichgestellten Hochschulen eingeschrieben war, ist ihr Anteil bis 2022 kontinuierlich auf 23,3 Prozent gesunken. Im Jahr 2024 ist erstmals wieder ein leichter Anstieg auf 24,3 Prozent zu beobachten, der jedoch das deutlich niedrigere Niveau im Vergleich zu den frühen 2010er-Jahren bestätigt. Parallel dazu gewinnen Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften zunehmend an Bedeutung. Ihr Anteil an den Erstsemestern ohne (Fach-)Abitur steigt von 52,8 Prozent im Jahr 2012 auf über 70 Prozent ab 2020 und liegt 2024 bei 71,2 Prozent. Damit haben sich Fachhochschulen als der zentrale Hochschultyp für das Studium ohne (Fach-)Abitur etabliert. Ein vergleichsweise kleiner, aber kontinuierlich wachsender Anteil entfällt auf Kunst- und Musikhochschulen. Ihr Anteil steigt von 1,0 Prozent im Jahr 2012 auf 4,6 Prozent im Jahr 2024.
In absoluten Zahlen ausgedrückt nahmen die FH/HAW im Jahr 2012 nur 822 beruflich Qualifizierte mehr auf als die Universitäten. Im Berichtsjahr 2024 sind es hingegen 6.132 Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur mehr als an Universitäten. Auch die Kunst- und Musikhochschulen können auf einen positiven Trend blicken, denn ihre Zahl an Erstsemestern hat sich seit 2012 mehr als vervierfacht. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass die sprunghafte Entwicklung an den künstlerischen Hochschulen zwischen 2014 und 2016 mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Auswirkungen der geänderten Systematik in der Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamtes zurückzuführen ist (Näheres dazu unter Informationen zu den verwendeten Daten).
Die Werte der Studierenden zeigen gegenüber den Erstsemesterquoten einige Abweichungen. Im Berichtsjahr 2023 gibt es insgesamt 68.969 Studierende ohne (Fach-)Abitur, wovon 70,4 Prozent an einer FH/HAW, 23,7 Prozent an einer Universität und 5,9 Prozent an einer Kunst- und Musikhochschule eingeschrieben sind.
Von den FH/HAW wurden mit 6.639 Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur mehr als doppelt so viele Personen erfolgreich in den Arbeitsmarkt entlassen wie von den Universitäten mit 2.261 Graduierten ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB). Das bedeutet, dass 69,5 Prozent aller beruflich qualifizierten Hochschulabsolvent*innen von einer FH/HAW und 23,7 Prozent von einer Universität kommen. Die Kunst- und Musikhochschulen können im aktuellen Berichtsjahr auf 599 Hochschulabsolvent*innen blicken, was einem Anteil von 6,3 Prozent entspricht.
Staatliche Hochschulen erste Wahl
Die Verteilung der Erstsemester ohne (Fach-)Abitur nach Trägerschaft der Hochschulen zeigt im Zeitverlauf eine deutliche Verschiebung. Zwar bleibt der staatliche Hochschulsektor durchgängig der wichtigste Zugangsort, sein Anteil ist jedoch langfristig rückläufig. Lag der Anteil staatlicher Hochschulen im Jahr 2012 noch bei 74,7 Prozent, sank er bis 2021 auf unter 49,1 Prozent. In den Folgejahren ist wieder ein moderater Anstieg zu verzeichnen, sodass 2024 rund 58,6 Prozent der Erstsemester ohne (Fach-)Abitur an staatlichen Hochschulen eingeschrieben sind. Parallel dazu gewinnt der private Hochschulsektor erheblich an Bedeutung. Während 2012 noch knapp ein Viertel (22,5 %) der Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur an privaten Hochschulen studierte, stieg ihr Anteil bis 2021 auf 48,1 Prozent. Auch wenn der Anteil an privaten Hochschulen seitdem wieder zurückgeht, bleibt er mit 38,3 % im Jahr 2024 auf einem deutlich höheren Niveau als zu Beginn des Betrachtungszeitraums. Dies unterstreicht die wachsende Rolle privater Hochschulen als Zugangsmöglichkeit für beruflich Qualifizierte, insbesondere durch flexible Studienmodelle, berufsbegleitende Angebote und gezielte Ansprache nicht-traditioneller Studieninteressierter. Kirchliche Hochschulen spielen demgegenüber über den gesamten Zeitraum hinweg nur eine untergeordnete Rolle. Ihr Anteil liegt stabil im niedrigen einstelligen Prozentbereich und verändert sich im Zeitverlauf kaum.
Die absoluten Zahlen verdeutlichen die beschriebene Entwicklung. Im Berichtsjahr 2024 nehmen die staatlichen Hochschulen 7.663 Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur auf. An privaten Hochschulen liegt die Zahl der beruflich qualifizierten Erstsemester bei 5.012. Drei Jahre vorher, d. h. im Jahr 2021, waren es noch 7.741 Personen. Die kirchlichen Hochschulen nehmen 398 Studienanfänger*innen ohne schulische HZB auf. Hier lässt sich erneut eine gestiegene Zahl beobachten.
Die Anzahl der Studierenden ist ebenfalls je nach Trägerschaft der Hochschulen sehr unterschiedlich. An den staatlichen Hochschulen sind aktuell 37.844 beruflich Qualifizierte eingeschrieben, was einem Anteil von 54,9 Prozent entspricht. An den privaten Hochschulen sind es 29.575 Personen. Der Anteil der beruflich Qualifizierten liegt hier bei 42,9 Prozent. Den geringsten Wert weisen die kirchlichen Hochschulen mit 1.550 Personen auf.
Von insgesamt 9.532 Hochschulabsolvent*innen verlassen im aktuellen Berichtszeitraum 5.897 Personen eine staatliche, 3.253 eine private und 349 eine kirchliche Hochschule. Die Anteile liegen demnach an den staatlichen Hochschulen bei 62,1 Prozent, an den privaten Hochschulen bei 34,2 Prozent und an kirchlichen Hochschulen bei 3,7 Prozent.
Deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern
Bezogen auf die Nachfrage nach unterschiedlichen Hochschultypen und Trägerschaften zeigen sich zwischen den Bundesländern teils deutliche Unterschiede. Mithilfe der nachfolgenden interaktiven Grafik können hierzu eigenständige Analysen vorgenommen werden. Die Auswahlfunktionen in der rechten Spalte ermöglichen es, die Daten je Bundesland nach Hochschultyp, Trägerschaft sowie nach den jeweiligen Anteilen der Studienanfänger*innen, Studierenden und Hochschulabsolvent*innen zu filtern. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes existieren im Wintersemester 2024/25 insgesamt 422 Hochschulen. Darunter befinden sich 115 Universitäten und gleichgestellte Hochschulen, 255 Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften (einschließlich Verwaltungs- und Theologischer Hochschulen) sowie 52 Kunst- und Musikhochschulen. Verfügt eine Hochschule über mehrere Standorte, werden diese bei der interaktiven Grafik jeweils separat ausgewiesen. Dadurch erhöht sich die Anzahl der berücksichtigten Hochschulen in den Datensätzen: Für die Studienanfänger*innen werden insgesamt 487 Hochschulen, für die Studierenden 498 Hochschulen und für die Hochschulabsolvent*innen 486 Hochschulen ausgewiesen.
Die Daten aus der obigen interaktiven Grafik zeigen hinsichtlich des Hochschultyps, dass im Universitätssektor die Länder Nordrhein-Westfalen (2,3 %), Rheinland-Pfalz (2 %) und Bremen (1,2 %) die höchsten Anteile beruflich qualifizierter Studienanfänger*innen aufweisen. Bei den Studierenden führen Rheinland-Pfalz (2 %), Nordrhein-Westfalen (1,6 %) und Niedersachsen (1,2 %) das Feld an. Beim Anteil der Hochschulabsolvent*innen, die ohne allgemeine Hochschul- oder Fachhochschulreife ins Studium gelangt sind, an allen Hochschulabsolvent*innen im Bundesland belegen wiederum Rheinland-Pfalz (2,1 %) sowie Niedersachsen (1,2 %) und Hamburg (1,1 %) die ersten Plätze.
Im Sektor der FH/HAW fallen die Anteile in allen Bundesländern erwartungsgemäß höher aus. In der Kategorie der Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur liegt Bremen mit einem Anteil von 11,1 Prozent weit vorne. Danach folgen Hamburg (7,7 %) und Thüringen (6,5 %). Bei den beruflich qualifizierten Studierenden erreicht Thüringen einen Anteil von 10,5 Prozent, Bremen 7,9 Prozent und Hamburg 6,3 Prozent. Mit diesen Spitzenwerten liegt das Trio weit vor den anderen Bundesländern. Die Quoten der FH/HAW in der Kategorie Hochschulabsolvent*innen sind bei Thüringen (9,3 %), Sachsen-Anhalt (5,4 %) und Bremen (5,3 %) am höchsten.
In Bayern liegt der Anteil der Erstsemester ohne (Fach-)Abitur an allen Erstsemestern an Kunst- und Musikhochschulen bei 30,4 Prozent. Danach folgt Sachsen-Anhalt mit einem Anteil von 17,3 Prozent. Dahinter liegt Schleswig-Holstein mit einem Anteil von 16,3 Prozent. Bei den Studierenden ohne schulische HZB führen erneut die künstlerischen Hochschulen aus Bayern (26,4 %), gefolgt von Schleswig-Holstein (11,1 %) und Nordrhein-Westfalen (10,9 %). Die Spitzenreiter der Kategorie Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur sind Bayern mit 18,4 Prozent, Schleswig-Holstein mit 10,1 Prozent und Nordrhein-Westfalen mit 9,9 Prozent.
Bei der Betrachtung nach Trägerschaft pro Bundesland wird mit Hilfe der interaktiven Grafik erkennbar, dass die Anteile der Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur an allen Studienanfänger*innen an staatlichen Hochschulen in Rheinland-Pfalz (3,9 %) am höchsten sind. Danach folgen Mecklenburg-Vorpommern und Berlin (jeweils 2,3 %). Die höchsten Studierendenquoten weisen Rheinland-Pfalz (3,1 %), Mecklenburg-Vorpommern (2,1 %) sowie Berlin und Niedersachsen (jeweils 1,7 %) auf. Zudem haben die staatlichen Hochschulen in Rheinland-Pfalz anteilig die meisten Absolvent*innen ohne schulische HZB (3,2 %). Danach folgen Mecklenburg-Vorpommern (2,2 %) und Thüringen (1,7 %).
Die höchste Studienanfänger*innenquote an privaten Hochschulen verzeichnen in diesem Jahr Bremen (25,4 %), gefolgt von Hessen und Sachsen-Anhalt (jeweils 12 %). Bei den Studierendenquoten an Privathochschulen führt ebenfalls Bremen (17,5 %). Es folgen Sachsen-Anhalt (14 %) und Thüringen (11,5 %). Bei den Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur an allen Hochschulschulabsolvent*innen sind die Anteile der privaten Hochschulen in Sachsen-Anhalt (14,8%), Bremen (12,1 %) und Thüringen (12 %) am höchsten.
Bei den kirchlichen Hochschulen weist Sachsen mit 18,2 Prozent die höchsten Anteile an Studienanfänger*innen ohne schulische HZB an allen Studienanfänger*innen auf. Hamburg kommt auf 9,7 Prozent und Nordrhein-Westfalen auf 8 Prozent. Bei den Studierendenquoten sind die Anteile der kirchlichen Hochschulen in Sachsen (9,4 %) und Nordrhein-Westfalen am höchsten (6,7 %), gefolgt von Baden-Württemberg mit 5,7 Prozent. Die höchsten Anteile bei den Hochschulabsolvent*innen hat Nordrhein-Westfalen mit 9,9 Prozent. Danach folgen Sachsen (9,1 %) und Brandenburg (8,3 %).
Anteil der verschiedenen Personengruppen fällt je Hochschultyp und Trägerschaft unterschiedlich aus
Wie groß die Anteile der Studienanfänger*innen, Studierenden und Absolvent*innen ohne schulische HZB im Verhältnis zu allen Personen in der jeweiligen Gruppe sind, zeigt folgende Tabelle:
Die Anteile von Studienanfänger*innen, Studierenden und Absolvent*innen ohne (Fach-)Abitur unterscheiden sich deutlich nach Hochschultyp und Trägerschaft. Insgesamt zeigt sich, dass das Studium ohne (Fach-)Abitur weiterhin eine eher untergeordnete Rolle im deutschen Hochschulsystem spielt, zugleich aber in bestimmten Segmenten eine deutlich höhere Bedeutung erreicht.
Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede zwischen den Hochschultypen. An Universitäten liegt der Anteil von Studienanfänger*innen ohne allgemeine Hochschul- oder Fachhochschulreife bei 1,2 Prozent, bei den Studierenden bei 1,1 Prozent und bei den Absolvent*innen sogar nur bei 0,8 Prozent. Damit bleibt dieser Zugangsweg an Universitäten marginal. Fachhochschulen beziehungsweise Hochschulen für angewandte Wissenschaften (FH/HAW) weisen hingegen deutlich höhere Anteile auf: 4,2 Prozent der Studienanfänger*innen, 4,2 Prozent der Studierenden und 3,4 Prozent der Absolven*tinnen studieren hier ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB). FH/HAW fungieren damit als zentraler Hochschultyp für beruflich Qualifizierte. Noch stärker ausgeprägt ist die Öffnung an Kunst- und Musikhochschulen. Hier liegt der Anteil der Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur insgesamt bei 11,4 Prozent, bei den Studierenden bei 8,8 Prozent und bei den Absolventinnen bei 8,3 Prozent. Diese vergleichsweise hohen Werte verdeutlichen die besondere Rolle von künstlerischen Eignungsprüfungen, die formale schulische Abschlüsse teilweise ersetzen und alternative Zugangswege ermöglichen.
Auch mit Blick auf die Trägerschaft zeigen sich erhebliche Unterschiede. Staatliche Hochschulen weisen insgesamt vergleichsweise niedrige Anteile von Studierenden ohne (Fach-)Abitur auf (1,8 Prozent bei den Studienanfänger*innen, 1,5 Prozent bei den Studierenden und 1,4 Prozent bei den Absolvent*innen). Deutlich höher fallen die Anteile an privaten Hochschulen aus: Hier studieren insgesamt 7,9 Prozent der Studienanfänger*innen und Studierenden sowie 6,2 Prozent der Absolvent*innen ohne schulische HZB. Kirchliche Hochschulen bewegen sich – trotz geringer absoluter Fallzahlen – ebenfalls auf einem erhöhten Niveau, insbesondere bei den Studienanfänger*innen (7,2 Prozent).