Unterschiedliche Entwicklungen beim Studium ohne Abitur in den Bundesländern
Die quantitative Entwicklung beim Studium ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) verläuft in den 16 Bundesländern traditionell sehr unterschiedlich. Das trifft auch für das aktuelle Berichtsjahr 2024 zu, und zwar sowohl bezogen auf die Zahlen der Studienanfänger*innen und Studierenden als auch bezogen auf die Zahlen der Hochschulabsolvent*innen. Die nachfolgende interaktive Grafik gibt gemeinsam mit dem anschließenden Text erläuternde Informationen und bietet zudem Vergleichsmöglichkeiten zwischen den Bundesländern. Unter „Personengruppe“ haben Sie die Möglichkeit, zwischen Studienanfänger*innen, Studierenden und Absolvent*innen ohne (Fach-)Abitur zu wählen. Daneben kann unter „Darstellungsform“ gewählt werden, ob die prozentualen Anteile oder die absoluten Zahlen angezeigt werden sollen. Darüber hinaus lassen sich die Werte per Mausklick auf die Spaltenüberschrift auf- oder absteigend sortieren.
Bremen ist bei den Studienanfänger*innen im Ländervergleich Spitzenreiter
Das Studium ohne (Fach-)Abitur hat sich in den vergangenen Jahrzehnten bundesweit etabliert. Seit Ende der 1990er-Jahre sind sowohl die Anteile als auch die absoluten Zahlen der Studienanfänger*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung in allen Bundesländern gestiegen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß.
Im Jahr 2024 liegt der Anteil der Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur in den meisten Bundesländern zwischen etwa zwei und vier Prozent. Einige Bundesländer erreichen aber auch besonders hohe Werte. Die höchsten Anteile verzeichnen derzeit Bremen mit 5,8 Prozent, Thüringen mit 5,0 Prozent und Hamburg mit 4,5 Prozent. In Bremen ist gegenüber dem Vorjahr ein deutlicher Anstieg um 2,1 Prozentpunkte zu beobachten, der überwiegend auf gesteigende Erstsemesterzahlen an der APOLLON Hochschule für Gesundheitswissenschaften zurückzuführen ist. In Thüringen ist der Anteil hingegen erneut gesunken (minus 1,5 Prozentpunkte). Ausschlaggebend hierfür ist die Entwicklung an der IU Internationalen Hochschule, die seit mehreren Jahren rückläufige Zahlen aufweist: Während dort im Jahr 2021 noch 3.886 Studienanfängerinnen ohne (Fach-)Abitur immatrikuliert waren, lag ihre Zahl 2024 nur noch bei 816. In Hamburg ist die Quote gegenüber dem Vorjahr um 0,7 Prozentpunkte gestiegen. Die Hansestadt rückt im Ländervergleich auf den dritten Platz vor.
Rheinland-Pfalz folgt mit einem Anteil von 3,8 Prozent auf Rang vier, Hessen liegt mit 3,2 Prozent auf Rang fünf. Nordrhein-Westfalen belegt mit 2,9 Prozent den sechsten Platz, liegt in absoluten Zahlen jedoch weiterhin bundesweit an der Spitze: 3.044 Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur nahmen dort 2024 ein Studium auf. Berlin erreicht einen Anteil von 2,7 Prozent und liegt damit – ebenso wie alle zuvor genannten Bundesländer – über dem Bundesdurchschnitt von ebenfalls 2,7 Prozent.
Unterhalb des Bundesdurchschnitts folgen Mecklenburg-Vorpommern mit 2,4 Prozent sowie das Saarland mit 2,3 Prozent. Bayern belegt mit 2,2 Prozent Rang zehn. Niedersachsen und Sachsen-Anhalt teilen sich mit jeweils 2,0 Prozent Rang elf. Baden-Württemberg verharrt bei einem Anteil von 1,8 Prozent, während Brandenburg auf ebenfalls 1,8 Prozent zulegt; beide Bundesländer liegen damit gemeinsam auf Rang zwölf. Die niedrigsten Anteile weisen im Jahr 2024 Sachsen und Schleswig-Holstein mit jeweils 1,7 Prozent auf.
Die absoluten Zahlen zeigen, dass hohe Anteile nicht zwangsläufig mit hohen Fallzahlen einhergehen. In bevölkerungsreichen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, Bayern, Hessen, Baden-Württemberg, Berlin und Hamburg studieren jeweils mehrere hundert bis über tausend Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur, selbst wenn die prozentualen Anteile teils moderater ausfallen. In kleineren Bundesländern und Stadtstaaten führen dagegen bereits vergleichsweise geringe absolute Zahlen zu hohen Anteilen. Insgesamt zeigen die Zahlen deutlich, dass das Studium ohne (Fach-)Abitur heute ein fester Bestandteil der deutschen Hochschullandschaft ist, dessen Bedeutung jedoch stark von regionalen Hochschulstrukturen, einzelnen Hochschulanbietern und landesspezifischen Rahmenbedingungen geprägt wird.
Thüringen deutlich vor allen anderen Bundesländern
Wie bereits im Vorjahr belegt Thüringen auch 2024 den ersten Platz bei den Studierenden ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife. Der Anteil der Studierenden ohne (Fach-)Abitur an allen Studierenden liegt dort bei 8,6 Prozent und ist gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken. Gleichzeitig erreicht die absolute Zahl mit insgesamt 13.167 Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung einen neuen Höchststand. Diese Entwicklung ist – wie bereits dargestellt – maßgeblich auf die IU Internationalen Hochschule zurückzuführen, welche ihren Hauptsitz in Thüringen hat. Gleichzeitig werden alle Fernstudierenden dem Hauptstandort zugezählt. Bei den Studierenden zeigt sich der bei den Studienanfänger*innen zu beobachtende Abwärtstrend noch nicht. Auf dem zweiten Platz folgt nun das Bundesland Bremen mit einem Anteil von 4,1 Prozent, welches Hamburg ablöst. Hamburg rückt mit einem gesunkenen Anteil von 3,8 Prozent auf den dritten Platz.
Rheinland-Pfalz bleibt mit einem unveränderten Anteil von 3,1 Prozent auf Rang vier, gefolgt von Hessen, das mit ebenfalls konstanten 2,5 Prozent nun den fünften Platz einnimmt. Sachsen-Anhalt fällt im Jahr 2024 vom fünften auf den sechsten Rang zurück. Der Anteil sinkt leicht auf 2,4 Prozent und entspricht damit exakt dem Bundesdurchschnitt. Alle zuvor genannten Bundesländer liegen über diesem Durchschnitt. Berlin und Mecklenburg-Vorpommern erreichen jeweils einen Anteil von 2,1 Prozent und belegen gemeinsam Rang sieben. Während Mecklenburg-Vorpommern trotz eines leichten Rückgangs auf diesem Rang verbleibt, verbessert sich Berlin bei gleichbleibendem Anteil von Platz acht auf Platz sieben.
Es folgen Nordrhein-Westfalen und Bayern mit jeweils 2 Prozent. In absoluten Zahlen liegt Nordrhein-Westfalen mit 14.340 Studierenden ohne (Fach-)Abitur weiterhin deutlich vor allen anderen Bundesländern, deren Werte – mit Ausnahme Thüringens – überwiegend im unteren bis mittleren vierstelligen Bereich liegen. Niedersachsen folgt mit einem unveränderten Anteil von 1,8 Prozent auf dem neunten Rang. Danach schließen sich das Saarland und Baden-Württemberg mit jeweils 1,5 Prozent an. Schleswig-Holstein verbleibt mit konstanten 1,4 Prozent auf Rang zwölf. Die Schlussgruppe bilden Brandenburg und Sachsen mit jeweils 1,2 Prozent.
Top 3 Bundesländer bei den Hochschulabsolvent*innen unverändert
Auch bei den Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur zeigen sich 2024 deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Insgesamt ist sowohl die Zahl der Absolvent*innen als auch ihr Anteil an allen Abschlüssen seit den späten 1990er-Jahren bundesweit gestiegen. Die Entwicklungen unterscheiden sich jedoch deutlich zwischen den Bundesändern.
Thüringen führt mit einem Anteil von 5,7 Prozent auch im Jahr 2024 weiterhin die Spitzengruppe der Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur an und behauptet damit seine Position aus dem Vorjahr. Gleichzeitig erreicht die absolute Zahl mit 935 Absolvent*innen einen neuen Höchststand. Diese Entwicklung steht in engem Zusammenhang mit der starken Präsenz der IU Internationalen Hochschule im Land.
Hamburg belegt erneut den zweiten Platz, verzeichnet jedoch einen leichten Rückgang auf 3,2 Prozent. Rheinland-Pfalz folgt wie bereits im Vorjahr mit einem unveränderten Anteil von 3,1 Prozent auf Rang drei. Auf den vierten Platz rückt Sachsen-Anhalt vor, dessen Anteil auf 3,0 Prozent gestiegen ist. Damit verbessert sich das Bundesland deutlich gegenüber dem Vorjahr, in dem es noch auf Rang neun lag.
Hessen und Bremen schließen sich mit jeweils 2,6 Prozent gemeinsam auf dem fünften Platz an. In Mecklenburg-Vorpommern ist der Anteil ebenfalls deutlich gestiegen und erreicht im Jahr 2024 2,4 Prozent. Alle bislang genannten Bundesländer liegen damit über dem Bundesdurchschnitt von 2,0 Prozent.
Bayern folgt mit einem unveränderten Anteil von 2,1 Prozent auf Rang sieben, Berlin mit 1,9 Prozent auf Rang acht. Es folgen Niedersachsen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen mit jeweils 1,6 Prozent, die gemeinsam Rang neun belegen. In absoluten Zahlen nimmt Nordrhein-Westfalen trotz des moderaten Anteils eine Sonderstellung ein: Mit 1.753 Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur weist das Land weiterhin die höchste absolute Zahl auf. Den zehnten Rang teilen sich das Saarland, Sachsen und Baden-Württemberg mit jeweils 1,3 Prozent. Schleswig-Holstein bildet mit einem Anteil von 1,2 Prozent das Schlusslicht.